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Die Geschichte der Krieau
(nach dem Buch: "125 Jahre Wiener Trabrenn-Verein", von Gerhard Reichebner)

Graf Kálmán Hunyady

Nachdem in Wien Einspänner-, Zweispänner- und Fiakerfahren in der Prater-Hauptallee überaus populär geworden waren, wurde am 10. April 1874 im Hotel Tauber auf der Praterstraße der "Wiener Trabrenn-Verein" gegründet. Erster Präsident war Graf Kálmán Hunyady, die Rennveranstaltungen fanden weiterhin in der Hauptallee statt. Die Eröffnung der Krieauer Rennbahn folgte vier Jahre später, genau am 29. September 1878. Der Zuspruch war jedoch überaus mäßig, da sich die Wiener nur schwer auf die neuen Gegebenheiten einstellen konnten und auch der Ablauf der Rennen als ziemlich langweilig überliefert ist.

 

 

 

Rennbahn um 1890

Mit epochalen Ideen verbesserte daraufhin Sportjournalist Viktor Silberer das Geschehen. Zusammen mit der Einführung des Totalisators (1881), der Gründung eines Verbandes mit Ungarn und des Baues einer ersten Tribüne (1882) stieg das Interesse gewaltig. Das erste Derby wurde 1884 (Sieger: Andal aus dem Besitz von Graf Nikolaus Esterhazy mit Fahrer Hutschenreiter) durchgeführt, und in der Folge vermehrte sich auch die Internationalität der Rennen.

 

 

 

Das Gestüt Kagran mit Ausläufen und eigener Trainingsbahn

Zwar fanden schon am 18. August 1915 wieder Rennen statt, doch zerfiel mit dem Kaiserreich 1918 natürlich auch die Vorherrschaft Österreich-Ungarns im europäischen Trabrennsport. Unter dem dritten WTV-Präsidenten, Fürst Ernst Rüdiger von Starhemberg, war nun die Gemeinde Wien - und nicht mehr der Kaiser - der neue Partner. Trotz besten Einvernehmens wurde die Zeit nun aber härter, vor allem das neue Wettsteuer-Gesetz traf den WTV enorm. Dennoch gestaltete man 1923 die 50-Jahr-Feier gebührend, und immerhin gebot 1924 die Einführung der Schilling-Währung dem Nullenspuk nun Einhalt.

 

 

 

Der Spitzenamerikaner Colonel Kuser

Die 25-Jahr-Feier wurde bereits 1898 begangen, da man der Meinung war, dass der Grundstein für den WTV schon 1873 bei der Weltausstellung gelegt worden sei. Gewürdigt wurde da natürlich vor allem der erste Vereinspräsident, Graf Kálmán Hunyady. Die Rekorde auf der Bahn purzelten nur so dahin, und als in Paris-Vincennes im Jahr 1900 die in österreichisch-ungarischem Besitz befindlichen Pferde (wie Caid oder Colonel Kuser) praktisch alles gewannen, schrieben die Franzosen erst einmal gar keine internationalen Rennen mehr aus!

 

 

 

Kaiser Franz Josef in der Wiener Krieau

1901 verstarb Graf Kálmán Hunyady; sein Nachfolger wurde Graf Rudolf Wrbna-Kaunitz, unter dessen Führung zunächst eine allgemeine Wirtschaftskrise überstanden werden musste, ehe eine einzigartige Hochblütezeit folgte. Dies auch, weil die Gewinne als Grundlage des Pönalitätensystems für eine noch ausgeglichenere Situation bei den Rennen sorgten. 1905 wurde außerdem der Trabersport-Klub unter der Leitung von Präsident Hermann Holzwarth aus der Taufe gehoben.

 

 

 

Die revolutionären neuen Tribünenanlagen

1908, am Tage der Huldigungen anlässlich der 60jährigen Regentschaft von Kaiser Franz Joseph, zeigte der Amerikaner Silico den neuen Europarekord von 1:19,7, und der nach Amerika verkaufte Inländer Willy trabte dort gar 1:17,7. In der Zeit von 1912 - 1914 entstand dann das Tribünen-Areal, wie es dem heutigen ja sehr ähnlich ist. Über die "weitaus schönste Tribüne Europas" konnte man sich jedoch leider nicht allzu lange wirklich freuen, da der Erste Weltkrieg die erste erhebliche Zessur nach sich zog.

 

 

 

Während des 1. Weltkrieges wurde das Krieauer Verwaltungsgebäude zu einem Rekonvaleszentenheim umfunktioniert..

Zwar fanden schon am 18. August 1915 wieder Rennen statt, doch zerfiel mit dem Kaiserreich 1918 natürlich auch die Vorherrschaft Österreich-Ungarns im europäischen Trabrennsport. Unter dem dritten WTV-Präsidenten, Fürst Ernst Rüdiger von Starhemberg, war nun die Gemeinde Wien - und nicht mehr der Kaiser - der neue Partner. Trotz besten Einvernehmens wurde die Zeit nun aber härter, vor allem das neue Wettsteuer-Gesetz traf den WTV enorm. Dennoch gestaltete man 1923 die 50-Jahr-Feier gebührend, und immerhin gebot 1924 die Einführung der Schilling-Währung dem Nullenspuk nun Einhalt.

 

 

 

Die "Jahrhunderttraber" Heinrich

... und Nervus rerum

Trotz aller Probleme, zu denen sich die Errichtung zahlreicher Stadtbüros von Buchmachern gesellte, konnten die Wunden des Ersten Weltkrieges systematisch geheilt werden. Der Sport blühte förmlich auf, nun unter Präsident Eugen Grimmer von Adelsbach. 1930 wurde die erste Flutlichtanlage errichtet, so dass am 31. August dieses Jahres der erste Abendrenntag stattfand. Und es tauchte ein Komet am heimischen Traberhimmel auf, Österreichs vielleicht bester Traber aller Zeiten: Heinrich. Heinrich gewann u. a. 1931 das Derby in niemals verbesserten 1:24,7 (in schnellerer Zeit wurde das Derby erst gewonnen, als es nur noch über 2800m führte), trabte 1932 in Baden 1:18,3 und trat 1933 als einer der Favoriten im Prix d'Amérique an (wo er "nur" Fünfter wurde). Ihm nur wenig stand auch Nervus rerum nach, der 1934 in Paris den Prix de Belgrade für sich entschied und 1935 im Prix d'Amérique sogar Vierter wurde.

 

 

 

Die Rotunde brennt!

In der Krieau wurde 1931 die Zielfotografie eingeführt und 1933 Kammerrat Heinrich Schedl zum nächsten Präsidenten gewählt, 1934 trug sich erstmals ein gewisser Johannes Frömming (mit Xiphias) in die Hunyady-Siegerliste ein. Obwohl es eine wirtschaftlich sehr schwierige Zeit war, zählte Wien sportlich eindeutig wieder zu den großen europäischen Metropolen, wozu im Herbst '37 auch die italienische Stute Tara mit ihrem Bahnrekord von 1:16,8 beitrug. Kurz davor verlor die Krieau durch den Brand der Rotunde einen vertrauten Nachbarn.

 

 

 

Zerstörung nach dem 2. Weltkrieg.

Doch der Zweite Weltkrieg zerstörte natürlich noch viel, viel mehr, obwohl es in der "Provinz Ostmark" vorübergehend sogar noch einmal zu einer regelrechten Sacheinblüte kam. Als sich jedoch die Kriegslage gegen Deutschland richtete, mussten auch die Rennen 1944 eingestellt werden. Und 1945 verursachten die Bombenangriffe auf Wien auch in der Krieau unerhörten Schaden. Doch sofort mit Kriegsende begannen die Aufräumungsarbeiten, und - wie durch ein Wunder - konnte am 11. November 1945 der erste Renntag nach Kriegsende vor 13.000 Besuchern veranstaltet werden!

 

 

 

Dipl.-Ing. Dr. h. c. Mautner Markhof

Aber der Sport war fast gänzlich am Boden, die Zucht praktisch zerstört worden. Einerseits wurden nun zwar die Ärmel förmlich hochgekrempelt und 1948 das 75jährige Jubiläum gebührend begangen, andererseits keimte auch viel Unzufriedenheit auf. Diese gipfelte 1949 in einer Revolte von Amateurfahrern, Besitzern und Züchtern, in deren Zuge per 12. Juli Dipl.-Ing. Dr. h. c. Manfred Mautner Markhof zum neuen Präsidenten gewählt wurde, der den WTV später zu neuen Höhen führen sollte.

 

 

 

Hunyady-Siegerin 1957: Gélinotte (Ch. Mills)

1952 gelang es, sich mit dem Bund über großzügigere Unterstützungen zu einigen, und es folgten außerdem wieder internationale Kontaktaufnahmen. Erwähnt sei auch das 1953 eingeführte Pferdetoto, das sich jedoch leider nicht durchsetzen sollte (und 1966 wieder eingestellt wurde). Mit dem Staatsvertrag begann 1955 natürlich eine neue, optimistische Ära. Das Wohlergehen des Volkes sorgte auch in der Krieau für einen enormen Aufschwung, und die große Traberwelt präsentierte sich 1956/ 57 sogar mit der Endstation des Grand Circuits: 1956 triumphierte die Schwedin Smaragd, 1957 die französische "Wunderstute" Gélinotte.

 

 

 

Die neuverglaste "Einser-Tribüne"

1960 konnte man daran gehen, große Umbauarbeiten durchzuführen. Da diese über den Sommer hinausreichten, wurde u. a. das "Hunyady" dieses Jahres in Baden gelaufen. Am 3. September 1961 war dann der Umbau endlich abgeschlossen: die Tribüne verglast, die neue Flutlichtanlage in Betrieb. Zudem wurden die Rennen erstmals teilweise per Autostarts abgelassen. Das Budget war allerdings überbeansprucht worden, die Situation gespannt. Die Wende erfolgte dann aber 1963: Da sich die Großstadt Wien auszuweiten begann, benötigte die Gemeinde das Gestüt Kagran - der WTV erhielt 28 Millionen Schilling und kaufte das doppelt so große Gelände von Schönfeld (im Marchfeld) um bloß 7 Millionen Schilling!

 

 

 

Epson (hier mit A. Übleis)

Logisch, dass es nun jährlich zu Steigerungsraten auf allen Gebieten kam. So avancierte 1965 der Linzer Adolf Winkler in der Krieau zum ersten österreichischen Amateur-Europameister, so gastierte mit Oscar RL zum "Hunyady" einer der stärksten Traber Europas (und gewann in Rennrekordzeit 1:19,4/ 2880). Internationale Anerkennung gab's auch durch die Einladung von Epsom zum International Trot 1968 nach New York, wo er mit "Traberbaron" Andor Beess Achter wurde.

 

 

 

Ernst Fischer und Adolf Übleis

In Österreich bzw. in der Krieau hatte bis inklusive 1969 als Fahrer vor allem Ernst Fischer dominiert, der sich nach dem Kieg mit 15 Championaten den "ewigen Goldhelm" sicherte. 1970 wurde er dann von Adolf Übleis abgelöst, der dem Sport 1971 zusätzlichen Aufwind verlieh: Zunächst holte sich der Badener in Recklinghausen am 12. April den EM-Titel, und ab 1. Mai ließ er seinen Konkurrenten auch bei der WM in Amerika keine Chance. Übleis wurde 1971 sogar Österreichs "Sportler des Jahres" und eroberte 1974 nochmals die EM-Würde, als er am 31. März zum Finale in der Krieau aufdrehte. Im "SPORT" stand da zu lesen: "Die daraufhin einsetzenden Jubelchöre der 12.000 Fans, die Siegerehrung und das Ertönen der Bundeshymne zählten zu einem der festlichsten Augenblicke, den die Krieau je erlebt haben mag." 1971 war außerdem Rudi Grün in Wien Amateur-EM geworden.

 

 

 

Florestan mit Gerhard Krüger

Traben florierte also, zur 100-Jahr-Feier (wie immer eigentlich um ein Jahr zu früh) gastierte 1973 der WM-Tross in Wien, ein Jahr darauf gewann der dreijährige Florestan, Franzose mit königlicher Abstammung, das "Hunyady" mit Gerhard Krüger. Alles Ereignisse, die stets auch live im Fernsehen übertragen wurden. Die Rekordmarken purzelten nicht nur auf der Bahn, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich. Es würde den Platz hier sprengen, alle positiven Erscheinungen dieser Zeit anzuführen. Dazu belegte Dieter Marz, der Adi Übleis als Champion abgelöst hatte, 1977 sowohl bei EM als auch WM Rang drei!

 

 

 

Die 5fache EM Maria Sauer

Ende der 70er-Jahre keimte erstmals wieder etwas Unzufriedenheit auf, als aus dem eigenen Lager mehr Komfort für Besitzer und "VIPs" gefordert wurde. Teilweise trug man dem Rechnung, in dem am 2. Mai 1980 das neue Elektronentoto erstmals eingesetzt wurde. Im Jahr davor hatte die damals 25jährige Wienerin Maria Sauer ihren ersten EM-Titel der Amazonen erobert - dem sie später noch weitere vier folgen lassen sollte, den letzten 1989 vor heimischem Publikum in der Krieau! Bei den Profis stellte 1980 Johann Scherber einen absoluten Fahrer-Rekord auf - 224 volle Erfolge in einem Jahr.

 

 

 

Die Sieger des 100. Derbys: Brubaker (J. Scherber)

1981 verstarb mit Dipl.-Ing. Dr. h. c. Manfred Mautner Markhof "der" Erfolgs-Präsident. Ab 1982 bot man auch Bahnfernsehen an, doch schien das Interesse - auch durch die vielen neuen Freizeit-Möglichkeiten - allgemein wieder etwas abzunehmen. Auf die Wettumsätze wirkte sich dies - dank E-Toto - aber noch nicht aus. Unerreicht dann diese Zahlen vom Tage des 100. Traber-Derbys (1985), das mit einer Million S dotiert war und an Brubaker ging: Im Derby selbst wurden 1,187.280 zu den Wettkassen getragen, gesamt 6,010.700 S (alles ohne Jackpots)!

 

 

 

Der erste Gefriersamen-Derbysieger: Kings Spotlite 1996

1989 erfolgte aufgrund der weiterhin positiven Bilanzen nochmals eine erwähnenswerte Rennpreiserhöhung - die bislang letzte, die durch alle Klassen drang. Denn die wirtschaftlichen Belastungen und das verlagerte Interesse (ab 1986 existierte etwa Lotto) begannen sich in den 90ern dann doch auszuwirken. Auf dem Bereich der Zucht wurde dagegen alles weiter viel besser, wozu auch die Möglichkeit der "Gefrier-Besamung" beitrug (die solcherart gezeugten Fohlen kamen erstmals 1992 zur Welt).

 

 

 

Gerhard Mayr

1992 holte sich der Maishofener Ex-Amateur Gerhard Mayr sein erstes Profi-Championat - und diesen "Goldhelm" sollte er bis heute nicht mehr abgeben. Internationales Highlight bedeutete für ihn der Vize-EM-Titel im Jahr 1996. Bruder Christian verblieb im Amateurlager und schaffte für Österreich zwei weitere Titel: zuerst 1998, dann 1999 sogar "daheim" in der Krieau!

 

 

 

Der beste Traber der sich jemals in österreichischem Besitz befand: Edu's Speedy

Die erwähnte Auslese in der Zucht sorgte für Rekorde en masse, die auch dadurch gefördert wurden, dass ein Antreten jenseits der Grenzen durch die Liberalisierung Europas gegenüber früher viel leichter fiel. Auf der anderen Seite gastierten auch immer mehr Klassetraber aus dem Ausland in der Krieau. Die schwierigen finanziellen Bedingungen erforderten 1996 aber auch den Verkauf des Gestüts Schönfeld, das dem WTV 33 Jahre nach dem glücklichen Tausch mit Kagran also neuerlich ökonomisch dienlich war.

 

 

 

Dr. Josef Kirchberger

 

Dies passierte bereits unter Federführung des jüngsten WTV-Präsidenten aller Zeiten, Dr. Josef Kirchberger, der außerdem die Stadt Wien dazu bewegen konnte, die Tribünenanlage großzügig zu renovieren. Rechtzeitig zum 125. Geburtstag, der 1999 also im "richtigen" Jahr gefeiert wurde, konnte dann der Trakt im 2. Stock eröffnet werden, während derzeit ja der Umbau des 1. Stockes und des Erdgeschoßes anläuft. 1999 zählte das "Hunyady" erstmals seit 1957 aus gegebenem Anlass auch wieder zum "Grand Circuit" und sah in Giesolo de Lou einen würdigen Sieger.

 

 

 

Jahresloge

 

Seit dem Beginn der Renovierung der Tribünenanlage hat sich vieles getan: 42 neue Jahreslogen, das Restaurant Hunyady, die Präsidentloge, die Silberer Loge und der Salon Alexander Orlow bieten dem Besucher der Wiener Krieau Komfort und die Vorteile modernster Technik zu jeder Jahreszeit. Auch für Veranstaltungen und Events findet die Tribüne immer mehr Anklang.

 

 

 

Anton Gaál

Am 17. März 2004 wurde der Wiener Nationalratsabgeordnete Anton Gaál einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Primäre Ziele für den Beginn seiner Amtsperiode nannte Gaál den Aufbau einer gedeihlichen Partnerschaft den anderen Rennvereinen und die Aufwertung des Pferderennsports in Österreich. Ein weiterer Schwerpunkt werde die Erarbeitung eines professionellen Nutzungskonzepts für Krieau als Achse zwischen Stadion, Messe und Prater zusammen mit der Stadt Wien sein.

 

 

 
 

Krieau Wiener Trabrennverein1020 Wien, Nordportalstraße 247info@krieau.at